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21.01.2024 Dr. Ahmed Abdulazim

Bandverletzungen am oberen Sprunggelenk

Beim Fussball vom Gegner gefoult, auf der Treppe die letzte Stufe übersehen, beim Wandern auf einen losen Stein getreten… Die Gründe, warum man mit dem Sprunggelenk umknickt, sind vielfältig. Und genauso vielfältig kann das Ausmass der Verletzung sein. Es reicht von der harmlosen «Zerrung» bis zum vollständigen Riss der Bänder am Sprunggelenk.


Das Umknicken im oberen Sprunggelenk wird in der medizinischen Sprache als Distorsion bezeichnet. Die Distorsion im oberen Sprunggelenk ist die weltweit häufigste Verletzung. Allein in der Schweiz kommt es Statistiken zufolge zu über 600 Fällen pro Tag. In etwa einem Fünftel der Fälle handelt es sich um Verletzungen beim Sport.


Bänder finden sich am Sprunggelenk sowohl aussen als auch innen. Sie stabilisieren das Sprunggelenk und erlauben dabei dennoch eine gewisse Flexibilität. Manche Menschen haben von Natur aus eher lockere Bänder, andere wiederum haben sehr straffe Bänder und damit ein sehr stabiles Gelenk. Kommt es nun zu einer übermässigen und unnatürlichen Bewegung im Sprunggelenk, kann die Belastungsgrenze der Bänder erreicht werden und es kommt zur Verletzung der Bandstrukturen. Dabei sind die Aussenbänder deutlich häufiger betroffen als die Innenbänder.


Nach dem Umknicken treten häufig Schmerzen im Sprunggelenk auf, die von einer Schwellung und einem Hämatom begleitet sein können. In manchen Fällen fällt es schwer, den Fuss richtig zu belasten.


In über 90% der Fälle können diese Verletzungen konservativ, also ohne Operation behandelt werden. Je nach Ausmass der Verletzung sollte das Sprunggelenk ruhiggestellt und initial gekühlt werden. Wenn die Belastung nicht möglich ist, sollten Unterarmgehstützen verwendet werden. Eine Sprunggelenksbandage hilft dabei, das verletzte Sprunggelenk vor übermässiger Bewegung zu schützen. Begleitend dazu kann die Physiotherapie helfen, die akute Verletzung zu therapieren und durch spezielle Übungen erneuten Verletzungen vorzubeugen.

Physiotherapie ist ein wichtiger Bestandteil sowohl der konservativen als auch der operativen Therapie
Physiotherapie ist ein wichtiger Bestandteil sowohl der konservativen als auch der operativen Therapie


Doch was passiert, wenn die Bänder nicht richtig heilen?

Hin und wieder kommt es vor, dass sich Verletzte nicht vollständig von einer Bandverletzung erholen. Wochen bis Monate später klagen sie noch über Schmerzen oder ein Gefühl der Instabilität im Sprunggelenk. Sie fühlen sich unsicher auf unebenem Gelände, beim Treppenlaufen oder haben Hemmungen, beim Sport vollen Einsatz zu zeigen. In diesem Fall spricht man von einer chronischen Instabilität im oberen Sprunggelenk.


Sollten die nicht-operativen Massnahmen keine Besserung der Beschwerden bewirken, kann eine operative Rekonstruktion der Bänder zur Wiederherstellung eines stabilen Sprunggelenks führen, das sowohl im Alltag als auch im Sport wieder voll belastbar ist.


Da die Instabilität in den meisten Fällen die Bänder am äusseren Sprunggelenk betrifft, wird in der Regel auch nur die Rekonstruktion der Aussenbänder vorgenommen. Dabei werden die Aussenbänder mittels eines Fadenankers wieder an die Spitze des Wadenbeins fixiert. Der Eingriff dauert ca. 30 Minuten. Anschliessend werden die Patienten in einem Stiefel mobilisiert. Die Vollbelastung ist dabei erlaubt, sofern es die Schmerzen zulassen. Der Stiefel verhindert dabei ein erneutes Umknicken. Bereits einige Tage nach der Operation kann mit der Physiotherapie begonnen werden. Nach ca. 2 Wochen kann auf eine Bandage gewechselt werden, welche in normalen Schuhen getragen werden kann. Diese wird dann für weitere 4–6 Wochen und darüber hinaus noch einige Zeit beim Sport getragen. Leichte sportliche Tätigkeiten sind dann schon nach etwa 4 Wochen möglich. Intensivere Belastungen wie beim Fussball oder Tennis sollten erst nach ca. 12 Wochen wieder aufgenommen werden.

Mit der Pinzette wird das vom Knochen ablöste Aussenband gegriffen. Der Fadenanker ist bereits im Knochen versenkt, lediglich die Fäden sind sichtbar.
Mit der Pinzette wird das vom Knochen ablöste Aussenband gegriffen. Der Fadenanker ist bereits im Knochen versenkt, lediglich die Fäden sind sichtbar.


Mit «Nadel und Faden» wird das Aussenband wieder stabil an den Knochen fixiert.
Mit «Nadel und Faden» wird das Aussenband wieder stabil an den Knochen fixiert.

Fertiges Ergebnis nach Rekonstruktion
Fertiges Ergebnis nach Rekonstruktion